Die ersten elf Kapitel der Bibel werden von sehr vielen Christen in ihrer Bedeutung unterschätzt oder als „nicht so wichtig“ angesehen. Tatsache ist aber, dass wir viel mehr von ihnen lernen können als wir auf den ersten Blick sehen.
Zunächst hatte Mose das erste Buch für das Volk Israel zur Belehrung geschrieben. Aber aus dem richtigen Blinkwinkel betrachtet, enthalten sie auch für uns wertvolle geistliche Schätze.
Denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass 2.Tim 3,16-17 auch für die ersten elf Kapitel gilt, denn dort steht geschrieben:
„Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“
Von der Vielfalt an Beispielen kann ich nur wenige nehmen. Aber mein Wunsch ist es, dass ich Sie neugierig auf mehr mache und Sie sich von selbst auf die Entdeckungsreise nach weiteren Kostbarkeiten machen.
Da es aber wichtig ist aus welcher Perspektive wir an diese elf Kapitel gehen, möchte ich als zunächst folgenden Punkt ansprechen:

- Punkt: Die ersten elf Kapitel stellen uns vor die Herausforderung, bereits von Anfang an, die Bibel als Gottes Wort zu interpretieren und richtig auszulegen
Bereits die ersten elf Kapitel stellen mich vor die Wahl, ob die Bibel für mich Gottes Wort ist oder ob sie Gottes Wort enthält. Wenn sie nur Gottes Wort enthalten sollte, dann würde sie neben Gottes Worten auch Menschenworte enthalten. Damit wäre nicht alle Schrift von Gott eingegeben und sie wäre nicht unfehlbar.
Was bedeutet dies für uns und die Interpretation der ersten 11 Kapitel?
Wenn Genesis 1-11 nicht wortwörtlich aufzufassen wäre, wo würde dann die Wahrheit der Bibel anfangen? Wenn Genesis 1-11, besonders die Schöpfungslehre, ein Mythos, ein Gleichnis, eine Metapher oder nur eine sinnbildliche Bedeutung wären, dann würde jegliche Grundlage für weitere biblische Lehren fehlen. Was hindert dann daran, so mit der gesamten Bibel zu verfahren, einschließlich der Jungfrauengeburt und des Berichts über die leibliche Auferstehung unseres Herrn Jesu?
Auch dem letzten Buch der Bibel mit der Aussicht auf einen ewigen Aufenthaltsort für die Gläubigen wäre der Boden entzogen.
Ein weiter Fehler ist, dass wir Menschen dazu neigen, die Bibel so zu interpretieren, wie wir es gerne hätten. Entweder lesen wir etwas im Text, was nicht geschrieben steht oder wir verstehen ihn nicht so wie er ursprünglich gemeint ist. Dabei ignorieren wir die Regeln der Bibelauslegung, indem wir Bibelstellen aus dem Zusammenhang reißen oder sie nur für sich allein nehmen.
Als Beispiel dafür möchte ich den Umgang mit der Schöpfung in sechs Tagen nennen. Damit aus den 6 Tagen ein längerer Zeitraum wird, werden gerne die Bibelstellen aus Psalm 90,4 und 2.Petrus 3,8 genommen. Was aber übersehen wird ist, dass es dort nicht um Schöpfung geht. In Psalm 90,4 heißt es: „Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.“
In Psalm 90 wird die Vergänglichkeit des Menschen beschrieben und in Vers 4 geht es darum, dass der Herr einen Überblick über 1000 Jahre hat, als wären sie wie ein einziger vergangener Tag und eine einzige Nachtwache, die 4 Stunden gedauert hat. Petrus ergänzt dies mit einer Umkehrung. Wichtig zu erkennen ist, dass in beiden Bibelversen das Wörtchen „wie“ steht. Und „wie“ weist auf einen Vergleich hin.
Ein dritter Fehler ist, dass ich neben der Schrift noch Zusatzoffenbarungen oder -informationen akzeptiere, die klar der Heiligen Schrift widersprechen. Dies können wir nicht nur bei christlichen Sekten und Sonderlehren wiederfinden, sondern auch wenn es um Bibel und Wissenschaft geht.
Bibel und Wissenschaft können sich durchaus ergänzen. Die Wissenschaft darf aber nicht der Bibel widersprechen. Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit den ersten zwei Kapiteln, wenn Christen den Bibeltext so auslegen wollen, dass er auch mit der Evolutionslehre zusammen passt. Entweder hänge ich der Evolutionslehre an, oder ich nehme die Bibel wortwörtlich und ich gehe von einer jungen Schöpfung aus, wenn es heißt, dass Gott die Erde und das Universum in sechs Tagen geschaffen hat.
Diesem Fehler können Christen verfallen die beruflich damit zu tun haben, z.B. Wissenschaftler und Lehrer, die aber ihren Job oder ihre Anerkennung in der Welt nicht verlieren wollen.
Aber auch die Christen, die das Evangelium weitergeben möchten, denen aber gerne entgegen kommen wollen, die nicht an die Bibel und eine Schöpfung durch Gott glauben, sind gefährdet.
Die Herangehensweise, wie ich von Anfang an mit der ganzen Bibel umgehe, wird sich bis zum Buch letzten Buch der Bibel der Offenbarung auswirken. Es hat geistliche Auswirkungen, seien sie positiv oder negativ. Noch heute versucht der Feind, Gottes Worte in Zweifel zu ziehen und zu verdrehen (Gen 3,1b).
2. Punkt: Die ersten elf Kapitel enthalten Schlüsselelemente für das weitere Schriftverständnis
Oder anders ausgedrückt, enthalten die ersten elf Kapitel grundlegende Wahrheiten, die uns helfen spätere Ereignisse oder Lehren in der Schrift besser zu verstehen.
Viele Menschen kommen mit dem Bösen und dem Leid in dieser Welt nicht klar. Es verabschieden sich sogar Menschen vom Glauben, die christlich aufgewachsen sind.
Aus Genesis 3, 1-6 wissen wir aber, wie das Böse und die Sünde in diese Welt gekommen sind. Zuerst hatte der Mensch die Herrschaft über diese Welt (Gen 1,28). Aber als der Teufel dem Herrn Jesus alle Reiche der Welt zeigte und erklärte das sie ihm übergeben sind, da widersprach der Herr ihm nicht (Lk 4,5-6).
Weiterhin wissen wir, warum es den Tod gibt und warum alles, was lebt, einmal sterben muss. Wir haben eine Erklärung, warum die Welt heutzutage so ist, wie sie ist.
Bevor Gott der HERR noch die Folgen der Sünde für die Menschheit aufzeigt (Gen 3,16-19), verspricht ER vorher in Vers 15, dass der Erretter kommen wird, der den Bösen besiegen wird.
Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Jesus Christus dieser versprochene Erretter ist, dann verstehen wir noch besser, warum der HERR kommen musste. Der Tod des ersten Tieres (Gen 3,21) und die Opferung eines jungen Schafes (Gen 4,4) weisen uns auf das stellvertretende Sühneopfer Jesu hin, der von Johannes dem Täufer als das Lamm Gottes bezeichnet worden war (Joh 1,29). Und seine Auferstehung zeigt den Sieg über den Tod, der durch die Sünde zu uns Menschen kam.
Seit dem Sündenfall sucht Gott die zerstörte Beziehung wieder herzustellen. Hier finden wir einen Unterschied zu allen Religionen in dieser Welt. Dort suchen die Menschen nach Gott. In der Bibel sucht Gott den Kontakt zu den Menschen. Im Garten Eden suchte er zuerst nach den Menschen, nachdem diese gesündigt hatten (Gen 3,9). Er nahm zuerst Kontakt mit Abraham auf, als der noch ein Götzendiener war (Jos 24,2). Und er berief Mose, der von sich aus nicht nach dem lebendigen Gott gesucht hätte (2Mo 3,1-10). Und auch uns hat er zuerst gesucht, lange bevor wir nach IHM gefragt hätten.
Eine Folge des Sündenfalls ist, dass das Herz des Menschen von Grund auf böse und nicht gut ist. In 1.Mose 8,21 steht: „Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.“
Der Herr Jesus bestätigte in Mat 15,18-19 und Mk 7,21-22, dass aus dem Herzen des Menschen das Böse kommt und liefert dafür konkrete Beispiele. Somit löst sich die Lehre von dem Guten im Menschen in Luft auf.
Was wir hier lernen, ist, dass der Herr 100-mal und mehr eine Sintflut kommen lassen könnte, und die Menschheit würde immer wieder so verdorben sein wie vor der Sintflut. Was wir auch im Buch der Offenbarung sehen.
Diese Erkenntnisse über das böse Herz sind für die Erziehung und die Evangelisation notwendig. Denn Verhaltensänderung ohne Herzensänderung bewirkt nur eine oberflächliche Anpassung, ohne dass derjenige wirklich tiefgreifend verändert wurde. Außerdem kann es in einem Desaster enden, wenn ein Mensch „Jesus in seinem Leben aufnimmt“, er aber nicht vorher erkannt hat, dass er durch die Sünde absolut verdorben ist.
Weiter lernen wir, dass es bei Gott ein zu spät geben kann, um gerettet zu werden. Sei es für ein ganzes Volk oder für einzelne Menschen. An die 120 Jahre lang hatte Gott durch Noah zu den Menschen gesprochen (2Petr 2,5). Aber sie wollten sich nicht warnen lassen. Und in Gen 7,16 können wir dann lesen, dass nicht Noah, sondern Gott die Türe zur Arche zuschloss.
Dass der Mensch durch Ungehorsam eine Grenze überschreitet, wo es kein Zurück mehr gibt, finden wir z.B. hier wieder: Das verstockte Herz des Pharaos (2Mo 7,14; 8,15; 9,35; 10,1). Das ungehorsame Volk Israel in der Wüste bei Kadesch-Barnea (4Mo 14,22-24) und im verheißenen Land (Ri 2,1-3). Die Sünde von König Manasse brachte das Fass für Jerusalem und Juda zum Überlaufen (2Kö 21,11-15), auch wenn er sich später noch bekehrte (2Chr 33,12-17). Weitere Beispiele aus dem Neuen Testament sind die Ablehnung des Messias (Mat 12,23-24) und seine Warnung in Mat 24, 37-44. Und der Autor des Hebräerbriefes warnt seine Leser davor, ihre Herzen zu verstocken (Hebr 3,7; 3,15; 4,7).
Deswegen ist die Fürbitte von uns Gläubigen so wichtig, damit die Tür zur Rettung noch offen bleibt.

Punkt 3: Die ersten elf Kapitel sind für die Identität von uns Menschen unverzichtbar
Im evolutionistischen Modell wird dem Menschen vermittelt, dass der Mensch vom Tier abstammt. Er ist nur irgendein Lebewesen, dass innerhalb von Millionen von Jahren kurzzeitig lebt und dann wieder für immer verschwindet. Unsere Identität und Persönlichkeit definieren sich demnach, dass wir nur ein höher entwickeltes Tier sind.
Gottes Wort sagt aber ganz klar, dass wir kein Zufallsprodukt sind. Unser Dasein hat einen Zweck und damit ist unser Leben nicht sinnlos. Gerade das ist für die Identitätsfindung von unseren Kindern und Jugendliche wichtig, die sich mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzen.
Auch meine Frau und ich haben uns von unserem pubertierenden Sohn anhören müssen, warum wir es zugelassen haben, dass er auf die Welt gekommen ist.
Zu unserer Identität gehört, dass wir in Gottes Bild (im Neuen Testament heißt es Ebenbild) geschaffen sind. Und in diesem Bild hat Gott uns als Mann und Frau geschaffen (1. Mose 1,27). Mann und Frau im Sinne Gottes sind gleichwertig, aber nicht gleichartig, was sie in ihren von Gott gegebenen Aufgaben zu einem sich ergänzenden Team machen soll.
Mehr denn je in einer Zeit, wo die traditionellen Ansichten von Mann und Frau hinterfragt werden benötigen wir diese Erkenntnis aus der Bibel als festen Anker der Wahrheit. Besonders seitdem Teenager gegen den Willen ihrer Eltern jederzeit ihr Geschlecht wechseln dürfen, müssen sie lernen, dass der lebendige Gott das letzte Wort hat.
Was bedeutet es, in Gottes Bild geschaffen, aber dennoch nicht wie Gott zu sein? Gott der Herr hat in uns das hineingelegt, was auch er an Eigenschaften hat. Z.B. Kreativität, Gestaltung, Erfindungsreichtum oder moralische Maßstäbe.
Wir sind wie Gott fähig, logisch zu denken und zu argumentieren. Wir können sehen und hören, weil Gott sieht und hört. Geschmack, Tast- und Geruchssinn geben uns die Fähigkeit, die Schöpfung Gottes zu verstehen und zu genießen, was Gott ebenso tut.
Nun hat die Sünde dieses Bild ins Negative verkehrt. Alle diese Fähigkeiten können wir nicht nur zum Guten, sondern auch zum Schlechten einsetzen.
Der Herr Jesus ist das perfekte Ebenbild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15). Christen sollen in einem Prozess der Erneuerung ihrer neuen Natur dem Herrn immer ähnlicher werden (Kol 3,10).

Punkt 4: Die ersten elf Kapitel bilden Wahrheiten gegen die Evolutionslehre
Ein Lehrer beklagte einmal, dass seine Schüler keinerlei Interesse an der Bibel im Religionsunterricht hätten. Nun ist das nicht verwunderlich, da die Schüler in anderen Fächern mithilfe „wissenschaftlicher Fakten“ lernten, dass alles durch Zufall entstand und der Mensch vom Tier abstammt.
Und so wurde die Bibel auch unter diesen Schülern zu einem religiösen Märchenbuch, das für das Leben und den Alltag nichts taugt.
Ich denke, dass dies geändert werden kann.
Nun beschreibt die Bibel nicht nur, warum wir Menschen auf dieser Welt sind und wozu wir geschaffen sind. Sie berichtet auch von der Schaffung der Welt, des Universums, sowie der Tier- und Pflanzenwelt.

Die Bibel ist zwar kein wissenschaftliches Buch, aber es enthält wissenschaftliche Fakten. Kombiniert mit reiner Wissenschaft, wissenschaftlichen Entdeckungen und den ersten elf Kapiteln, können wir viele Fragen beantworten.
Zum Beispiel: Wie und wann entstanden Fossilien? Wie können wir die Sintflut beweisen? Wann und warum entstanden plötzlich auf der ganzen Welt menschliche Hochkulturen? Wann und wie entstand die Eiszeit? Gab es am Anfang so viele Tierarten, wie wir sie heutzutage haben? Woher kommen die Menschenrassen? Woher kommen die Religionen? Wie war das mit den Dinosauriern und wie passen die in die Bibel? Hatte Noah auch Dinosaurier auf der Arche dabei? Woher hatte Kain seine Frau?
Gerade Kinder, die christlich aufwachsen, brauchen biblisch-wissenschaftliche Antworten, damit sie ihren Glauben nicht durch die Evolutionslehre aufgeben.
Ich möchte Sie nochmals ermutigen, sich eingehender mit den ersten elf Kapiteln zu beschäftigen. So wie Paulus Rede in Athen (Apg 17), benötigen wir die ersten elf Kapiteln zur Evangelisierung unseres postchristlichen Landes, um bei den Anfängen zu beginnen, warum es überhaupt Weihnachten oder Ostern gibt.
Wir brauchen sie auch, um Neubekehrte zu Jüngern zu machen. Dass sie wissen, wem sie nachfolgen. Der Herr Jesus hat keine neue Religion oder gute Lehre gegründet, sondern das Christentum hat seinen Ursprung von dem Schöpfer aller Dinge (Kol 1,16-17) zu denen auch die Zeit gehört, weil ER außerhalb von Zeit und Raum schon da war. Er hat uns nicht nur mit sich selbst versöhnt, als wir noch Seine Feinde waren (Kol 1,21). Er allein ist auch das Haupt, also der HERR, der Gemeinde (Kol 1,18). Somit ist die Gemeinde nicht irgendein frommer Club, sondern Sein Eigentum.
Über Ihn heißt es in Joh 1,1: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“
Deshalb sind auch die ersten elf Kapitel als Wort Gottes immens wichtig und verdienen unserseits ein eingehendes Studium. Für kostbare Schätze muss man tief graben. Es kostet mehr Zeit und Aufwand, die sich aber lohnen.
Dieser Beitrag ist auch als 10seitige Broschüre erhältlich.

Bilderverweis: Alle Bilder sind von freepik, erworben mit einem bezahlten Account
